Märchen in der Bühnenfassung von Uli Jäckle nach dem gleichnamigen tschechisch-deutschen Märchenfilm von Václav Vorlícek und František Pavlicek, Musik von Karel Svoboda.
Prinzessin über Nacht
Plauen. Der Fernsehfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" mit seiner eingängigen Musik ist der Weihnachtsklassiker schlechthin - vergleichbar mit "Dinner for one" am Silvestertag. Ohne den Kult-Streifen ist's für viele kein richtiges Fest. …… Das Stück traf den Nerv der vorrangig sehr jungen Besucher total. Joachim von Burchards Stück in der Bühnenfassung von Uli Jäckle bewegt sich nah am Film. Das Aschenbrödel (in der ersten Rolle überzeugt hier der charmante Schauspiel-Ensemble-Neuzugang Nadine Aßmann) ergibt sich nicht in sein Schicksal als arme Stieftochter und Magd. Nein, die Schöne darf reiten, jagen und - trotz vieler Widrigkeiten - zumindest versuchen, über ihr Leben zu bestimmen. Die junge Frau ist recht emanzipiert. ….Das Aschenbrödel mit den Zaubernüssen hingegen wehrt sich. Es ist - nicht nur im Film, sondern erst recht in der Inszenierung des Theaters Plauen-Zwickau - schlau, ja, listig und ein bisschen frech. Dem begeisterten und blutjungem Publikum im ausverkauften Haus gefielen diese Charakterzüge besonders, wobei freilich alle der sieben Darsteller verdient Pluspunkte einheimsten. Als Spaßrakete entpuppte sich zum Beispiel einmal mehr Timon Schleheck (als fette wie hilfsbereite Taube Klaus und als königlicher Lehrer). Seine Einsätze sorgten ebenso für ausgelassene Heiterkeit wie die von Matthias Wagner. Der wagte den Spagat - manchmal im Wortsinn - zwischen gleich drei Rollen. So gibt er das hypochondrische Täubchen Hansi und die herbe Königin sowie den Knecht Vincek: Dieser Diener - im Theater breit sächselnd - ist nicht obrigkeitshörig: Der Respekt vorm König (Michael Schramm) fehlt, den Prinzen (Leonard Lange) erkennt er anfangs gar nicht. Vincek ist es auch, der Aschenbrödel gegenüber Stiefmutter (Ute Menzel) und -schwester (Anja Schreiber) verteidigt und ihr die Haselnüsse mitbringt, die ihm beim Streifzug durch den Wald tatsächlich in den Schoß fallen. Wie es sich für ein Märchen gehört, wird nach einigen Irrungen alles gut. Das schöne Aschenbrödel im blütenweißen Brautkleid und mit wiedergefundenem Schuh fällt ihrem Prinzen in die Arme.
Freie Presse Plauen 30.11.2015
Das richtige Stück für den richtigen Saal
...Brilliert hat zur Premiere das gesamte Ensemble, das mit lang anhaltendem Applaus bedacht wurde. Inszeniert wurde das Märchen von Joachim von Burchard, der bereits bei "Der kleine Prinz" Regie führte. Ins Szene gesetzt wurde die Bühnenfassung des Films von Jeannine Simon, die wie schon bei dem "Kleinen Prinzen" für tolle Kostüme und das Bühnenbild verantwortlich zeichnete. Tolle Perücken und passende Schminke sind ebenso erwähnungswert wie die Musik von Jan Exner.
Freie Presse Zwickau 12.12.2016